Trail Lago d’Orta – Sieg für Stephan, Judith belegt Rang 2

20131023-191639.jpg
(Weitere Bilder folgen)

Bereits 2012 nahmen Stephan und Chris zum Saisonabschluss am Trail Lago d’Orta teil und waren schon damals begeistert von dem Event (Bericht Trail Lago d’Orta 2012). Dieses Jahr reisten die beiden mit Verstärkung an. Judith und Jürgen wollten sich, trotz dem Start beim Napf-Marathon (Bericht Napf-Marathon) eine Woche zuvor, die tollen Trails im Piemont am Ortasee nicht entgehen lassen.

2013 gab es nun drei Distanzen zur Auswahl (Angaben veranstalter):
Ultra-Trail 80km mit 5.000 Höhenmetern (Stephan)
Trail 55km mit 3.200 Höhenmetern (Jürgen)
Mini-Trail 22km mit 1.200 Höhenmetern (Judith und Chris)

Stephan’s erster Sieg für das Team SALOMON Deutschland
Um 3 Uhr hieß es für Stephan aufstehen, denn bereits um 5 Uhr war der Start für die Ultraläufer angesetzt. Das Frühstück fiel trotz der Uhrzeit üppig aus, wobei das hartgekochte Ei mindestens einen genauso hohen Stellenwert hatte wie die beiden köstlichen, italienischen Espressi.

Als tolles Highlight ließ der Veranstalter beim Start Himmelslaternen steigen, was ein tolles Schauspiel war und den Startern wie auch Zuschauern kurz vor dem Start Gänsehaut bescherte.
Kurz darauf wurde es Tag. Ach so nein, Stephan knipste nur seine Lupine an. Jetzt war klar warum diese Stirnlampe momentan die Referenz auf dem Markt ist!

Das Feld zog sich gleich vom Start ab in die Länge und vorne setzten sich ungefähr 10 Athleten leicht vom Feld ab. Unter ihnen war auch der Sieger vom Vorjahr, Giuliano Cavallo (Team SALOMON – Italien) und gab das Tempo vor.

Ab der 2. Verpflegungsstation (km 22) in Arola wurde das erste Mal dezent attackiert, worauf sich eine Dreiergruppe absetzte. Als Stephan seinen kurzen Ausflug ins Gebüsch beendet hatte, schloß er wieder zu den Ausreissern auf. Obwohl sich in der Vierergruppe nichts geschenkt wurde, blieb Stephan noch Zeit für die traumhafte Aussicht, von dem er auch noch nach dem Lauf schwärmte. (Bild: Monte Croce)

Stephan: “Die gewaltigen Panoramen waren absolut beeindruckend! …”

Dann kamen jedoch mehrfach sehr steile Passagen auf dem Weg zu der höchsten Erhebung der Strecke, dem Monte Croce. Dabei musste zuerst Stefano Trisconi abreißen lassen und auf den technischen Trails bergab auch der Kletterspezialist aus Südtirol (Alexander Rabensteiner). Somit war es ein Duell zwischen dem Vorjahressieger Giuliano Cavallo und Stephan.

Den Verpflegungsposten am Alpe Camasca (41km) liess der Italiener links liegen und stürmte weiter. Stephan ließ sich nicht beirren und machte einen kurzen Stopp. Danach konnte er wieder aufschließen und übernahm die Führung. Angetrieben von der traumhaften Strecke (Trailanteil ca. 90%) und der immer wieder überraschend schönen Landschaft, lief Stephan ein zu hohes Tempo für den Italiener, so dass auch dieser zurückfiel.

Stephan: “Einmal war es so steil im Wald, dass ich auf allen Vieren hoch krabbeln musste!”

Bei Km 60 überkam Stephan auch ein Schwächegefühl, da er leichtsinnig gewesen war und an der letzten Verpflegungsstelle nicht optimal die Energiespeicher füllte. Bis km 65 musste er schwer kämpfen und die üblichen Gedanken gingen ihm dabei durch den Kopf.

Stephan: “Ich fühlte mich bei Kilometer 60 schwach und fragte mich was ich hier eigentlich mache…”

Jedoch kam die Energie nach einem Gel und einem Riege schnell zurück und Stephan konnte in gewohnter Manier wieder Druck machen. Die Verfolger konnten nämlich jede Sekunde wieder kommen und das wollte er nicht riskieren. Was Stephan zu diesem Zeitpunkt nicht wußte, war, dass er bis ins Ziel fast 25 min Vorsprung aufgebaut hatte. Zeit um den Zieleinlauf zu genießen hatte er jedoch und riss die Arme hoch, als ehr die Ziellinie nach 8:46:41h überquerte. Sieg über die Ultra Distanz – Herzlichen Glückwunsch!

Stephan (als 20min nach ihm immer noch kein Verfolger im Ziel war): “Da hätte ich mich gar nicht so beeilen müssen.”

Dann kam der Zweitplatzierte, Stefano Trisconi (Team RAIDLIGHT) mit 9:11:10h und schließlich schaffte es der Vorjahressieger Giuliano Cavallo (Team SALOMON) mit 9:19:52h auf den 3. Podestplatz.

Judith rast schon wieder auf’s Podium (22km/1.200hm)
Nach dem Napf-Marathon (Bericht Napf-Marathon) am Wochenende zuvor, wollte es sich Judith nicht nehmen lassen, sich ebenfalls mit der italienischen Konkurrenz zu messen.
Bereits am Nachmittag zuvor kündigte sie eine gute Form an.

Judith: “Meine Beine fühlen sich richtig gut an, sogar besser als vor dem Marathon.”

Langsam merkt man ihr die Routine an, mit dem Stress vor dem Wettkampf wird nun professionell umgegangen. So sah man ihr auch schon am Start, dass sie heute mehr als nur finishen wollte.

Mit der perfekten Tempogestaltung zu Beginn des Rennens legte sie den Grundstein für den weiteren Verlauf des Rennens. Bei Kilometer 7 wurde Judith von einer Kontrahentin überholt, ließ sich jedoch nicht beirren und vertraute ihren Stärken am Berg. Diese konnte sie kurz Zeit später ausspielen und eroberte sich den Rang zurück. Welcher das war, wusste sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber dachte an 4. Oder 5. Position.

Bald darauf lief sie eine Gruppe von Männern auf und konnte diese auch schon bald hinter sich lassen. Als dann das Ufer des Ortasees erreicht war, hatte sie bereits durch die jubelnden Zuschauer mitgeteilt bekommen, dass sie momentan 2. Frau ist. Durch das konstante Intensitätsniveau lief sie auch weiterhin ein top eingeteiltes Rennen und konnte auch auf der schier endlosen Treppe empor in das Zentrum von Alzo weitere Athleten überholen.

Den letzten Anstieg steckte Judith trotz dem sich anbahnenden Hunger gut weg, es waren ja nur noch rund 2 Kilometer bis ins Ziel. Judith sah die letzten Meter des Anstiegs und wusste, dass es danach nur noch abwärts ging bis zum Ziel in Pogno.

Als sie am Ende des Anstiegs Chris sah, war nicht mehr auszumachen ob das Strahlen in ihrem Gesicht daher kam, oder von der Gewissheit kurze Zeit später als 2. Frau den Wettkampf zu beenden! Unglaublich, mit einer Zeit von 2:14:17h hatte sie nur 45 Sekunden Rückstand auf die Siegerin Mora Cecilia (VALETUDO SKY RUNNING). Die 3. Frau war Annalisa Diaferia (TEAM BIKEADVENTURES) mit 6:14 min Rückstand.

Judith ließ dabei 264 weitere Läuferinnen und Läufer hinter sich und gerade mal 20 Männer und 1 Frau überquerten vor ihr die Ziellinie! Toll welche Form sie dieses Jahr hat, mal sehen was noch kommt bis zum Jahresende…

Jürgen genießt die 55km und belegt nebenbei den 17. Rang!
Der Start des 55km-Laufs wurde mit roten Rauchsignalen inszeniert, was dem Start auch etwas Mystisches verlieh.

Jürgen hatte derweilen seine Taktik schon fest im Kopf: Ein Lauferlebnis über die 55km

Aber wer Jürgen kennt weiß eben auch, dass sein Genußtempo nichts mit bummeln zu tun hat. Nach dem Sieg der Altersklasse beim Napf-Marathon (Bericht Napf-Marathon) in der Woche zuvor, waren die Beine aber wieder erholt genug für diesen Ultralauf.

Zu Beginn des Laufes testete Jürgen unbeabsichtigt die Fango-Qualitäten des Piermonter Schlamms, vielleicht war auch dies der Grund, dass die Beine ihn bis zur Hälfte der Strecke permanent nur überholen ließen.

Mit den Kilometern kamen jedoch auch die schweren Beine und es wurde auch für ihn immer härter. Die kulinarischen Köstlichkeiten an den Verpflegungsständen hauchten ihm jedoch neue Kraft ein. Dort erfuhr er auch dass Stephan zu dem Zeitpunkt beim Ultralauf in Führung lag, was ihm stolz einen neuen Motivationsschub gab.

Kurz vor dem Ziel konnte Jürgen nochmals den Schweden einholen, welcher dem hohen Schlusstempo nichts entgegensetzten konnte. Somit belegte Jürgen den 17. Gesamtrang und wirkte im Ziel alles andere als erschöpft. Während er euphorisch von dem tollen Erlebnis über die vergangenen 55km berichtete, zog er ein angebissenes Salami-Käse-Brötchen aus der Brusttasche seines Trail-Rucksacks und schwärmte über die tolle Verpflegung auf der Strecke – Jürgen, ein Original!

Chris beendet die 2-wöchige Zwangspause mit einem 7. Platz (22km/1.200hm)
Schon Tage zuvor war nicht klar ob er an den Start gehen würde. Auf Grund des ungewohnt hohen Tempos bei der Kurzstrecke beim Lupfenlauf (Bericht Lupfenlauf) hatte Chris alle Symptome des gefürchteten Schienbeinkantensyndroms und alle möglichen und unmöglichen Szenarien waren überlegt und diskutiert um keinen verletzungsbedingten Ausfall nach dem bevorstehenden Lauf in Italien zu riskieren.

Taggi

Das Resultat war, dass Chris am Start stand und sich während den ersten Metern für die Taktik einer reduzierten Intensität bei Flach- und Abwärtspassagen entschied.

Von Platz 28 aus gestartet konnte er so an den Anstiegen überholen und sich langsam aber stetig nach vorne arbeiten.

Chris: „Zu Beginn war eher die Atmung das Problem, mein Herz-Kreislauf-System war zu Beginn etwas überfordert.“

Je weiter man sich nach vorne bewegt im Läuferfeld, desto seltener wird der Kontakt mit der Konkurrenz. Daher nahm Chris an, dass er sich in unter den Top 10 befinden musste und genoß ab da die traumhaften Trails und die tollen landschaftlichen Eindrücke, denn damit hatte er nicht gerechnet.

Ab und zu sah er ein Stück vor sich zwei Läufer, aber der Abstand veränderte sich nicht großartig und Chris konnte seiner Taktik treu bleiben. So beendete er das Rennen auf dem 7. Gesamtrang nach 1:58:15h und war damit nur eine knappe Minute langsamer als im Vorjahr (Bericht Trail Lago d’Orta 2012).

Chris: „Ich hatte in der Woche zuvor mental schon damit abgeschlossen hier in Italien zu laufen, darum wäre heute definitiv der falsche Zeitpunkt für falschen Ehrgeiz gewesen!“

Leave a Reply