Sardinia Trail 2014 – Geglückter Saisonauftakt für Chris

20140530-213500-77700683.jpg
Fakten
09.-11.05.2014
Sardinia Trail
www.sardiniatrail.com
Italien / Sardinien / Lanusei
3 Etappen
- 1. 25,5k / D+1200m
- 2. 41,8k / D+1600m
- 3. 31k / D+1200m
=================
98,3k / 4000hm

Die Vorbereitung
An meinem Geburtstag 2013 schenkte ich mir selbst den Start zum “Sardinia Trail” und hatte somit ein Ziel für das Training in den folgenden 5 Monaten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich jedoch das sogenannte “Schienbeinkantensyndrom” und musste erst einmal warten bis dies wieder auskuriert war.

Ich startete mit dem Training dann am Und dokumentierte dies in einem Videotagebuch, mal sehen ob ihr das noch zu sehen bekommt.

Bericht

Die Eröffnung
Genau rechtzeitig kam ich auf dem Vorplatz der Kirche in Lanusei an, denn die Veranstalter eröffneten das Event mit einer Begrüssungsrede und stellten die Organisatoren und Ansprechpartner vor.

Die Startnummernausgabe wurde in dieses Ereignis toll integriert und so wurde jeder Athlet aufgerufen und bekam sein Starterpaket von Christina übereicht. Dass ihre Proportionen dabei den “Sardinia Trail”-Schriftzug auf ihrem Top gekonnt in Szene setzten, war sicher kein Versehen des Veranstalters.

Ebenso kalkuliert wurden wir nun mit Sardinischem Käse, Wein und “Pano Curasao” (Wiki Link) bei einem Willkommens-Apero von der tollen Organisation überzeugt.

Allerdings war ich enttäuscht als ich erfuhr, dass mein Hotel das von den Dreien war, welches am weitesten entfernt lag und dessen Standard auch am niedersten war.

Zum Abendessen ging es wieder zurück in den Ortskern, leider war die Adresse niemandem bekannt und so trafen sich zwar alle Läufer am besagten Museum, aber die Organisatoren waren nicht dort. Erst ein Telefonat und etwas Suchen in Kombination brachte Klarheit und uns zum Essen. Dies bestand aus sardinischen Gnochi als Vorspeise gefolgt von verschiedenen Sorten gekochtem Fleisch, wie es in Sardinien üblich ist. Jedoch bin ich nicht der Fan von Experimenten vor dem Wettkampf und begnügte mich mit Pasta, zu viel Pasta.

1. Etappe – Der Druck ist da!
Um 5:45 Uhr war Aufstehen angesagt, um das Equipment zu richten und die Nervosität in den Griff zu bekommen. Ich kenne mich mittlerweile und weiss, dass auch wenn die Schlussfolgerung aus meinem Trainingsprotokoll jeden nur abwinken lässt (mich eingeschlossen) mein Körper im Wettkampfmodus einfach etwas “unlogisch” reagiert.

Beim Frühstück merkte ich dass mein Bauch voll war, aber zwängte trotzdem noch ein Brötchen in den gespannten Magen. Gespannt waren auch die Nerven, als wir mit Bussen an den Start gefahren wurden, welcher sich am Strand von. befand. Eine einfache aber trotzdem eindrückliche Inszenierung ergaben der Startbogen und der Spalier den die Nationalflaggen der teilnehmenden Länder bildeten.

Der Startschuss fiel und es ging los. Das erste Stück im Sand war noch gut zu laufen, aber kurz danach ging es in einen Singeltrail über, welcher uns auf Höhe brachte. Ich platzierte mich vorerst auf Rang 10, denn so hätte ich das Hauptziel “Top10″ erreicht und die Option um weitere Plätze gut zu machen bestand weiterhin.

Ich lief recht gleichmässig und liess mich von den Tempowechseln der anderen nicht irritieren oder verleiten. In den Downhills gab ich keine 100% denn ich wollte Schienbein und Knie nicht am ersten Tag herausfordern. Die Temperatur machte mir etwas zu schaffen, denn die Sonne brannte regelrecht herunter. So kamen die gelegentlichen Waldabschnitte recht.

Nach dem der höchste Punkt erreicht war ginge es in einen tollen Trail der steil nach unten führte und da passierte es. Rechts im Bauch unterhalb des Rippenbogens kam auf einmal ein Stechen. Ich versuchte es zu ignorieren, aber es war bei jeder Erschütterung zu spüren und ich musste kurz stehen bleiben. Ich atmete durch und war verzweifelt, denn ich lag auf dem 3. Rang! War alles umsonst? Knie und Schienbein hielten und jetzt das? Ich erinnerte mich an meinen ersten Lauf mit Höhenmetern, damals bekam ich das auch und ich drückte mir mit der Hand an der Stelle hinein. 12 Jahre war es zwar her, aber es funktionierte einiger Massen. Ich stellte mir vor ich müsse den Magen vor vor der Erschütterung schützen und drückte mit der Hand in meine rechte Tallie.

Die restlichen 10km waren die Hölle, psychisch und physisch. Sollte das das Ende meines Planes sein unter die Top5 zu kommen? Es schmerzte so sehr und ich konnte kein Tempo mehr machen und musste die Downhills runter spazieren, oh man…

Der Downhill mündete auf Asphalt und die Strasse stieg sehr leicht an. Ich war mental sehr müde und musste schwer mit mir kämpfen um nicht einfach zu gehen, aber ich wollte nicht schon an der 1. Etappe aufgeben. Vor vielen Jahren hatte ich es mal bereut, dass ich nicht einfach 3 Sekunden schneller gelaufen bin, denn es wäre sicher gegangen. Das hat mich gelehrt Wettkämpfe immer als Wettkampf zu laufen und nicht zwischendrin mal zu pausieren. Wettkämpfe müssen weh tun, denn das unterscheidet sie ja vom gewöhnlichen Training (ausser mit Stephan :) ).

Dann ging es hinunter zum Strand wo sich das Ziel befand. Kurz über die Felsen geklettert und dann in den Sand. Beeindruckend diese Millionen winziger Partikel die alles dafür tun um eine Brückenbildung zu verhindern und so die Aufnahme von Druckbelastungen verweigern. Auf deutsch: Keinen Meter kam ich voran! Ich lief Schlangenlinien um auszutesten wo der Sand am besten zu laufen ist, aber die Füsse sanken bei jedem Schritt ein und raubten mir die letzte Kraft.

Schliesslich klappte es doch noch und ich überwand den “Treibsand” und konnte als 4. das Ziel passieren! Die Freude verblasste schnell, denn mein Magen war irgendwie nicht normal und mir war unglaublich schlecht.

Der Ausklang
Wie schon am Vorabend gab es Pasta und danach eine Auswahl verschiedener Fleischsorten. Alles war familiär und zweckbezogen organisiert aber letztendlich wurden alle satt.

2. Etappe – Never give up!
Der Marathon machte mir schwere Sorgen. Die Blasen an den Füssen waren behandelt, die Beine waren okay, aber 42km mit 1600 Höhenmetern ist eben respekteinflößend. Das Testwochenende hatte ich auf Grund der Schienbeinprobleme abblasen müssen, das sollte mir die Sicherheit und Kondition für diese Etappe bringen.

Nach dem lange. Transfer war wir nun inmitten einer imposanten Berglandschaft und dar aufblasbare “Sardinia Trail”-machte wieder klar was hier oben heute abgeht.

Ich hatte heute morgen zwei Stückchen Biskuit gegessen und einen Kaffee getrunken. Vielleicht war mein Magen einfach zu voll und machte darum Probleme. Mir blieb nicht mehr als probieren und das tat ich.

Wir starteten und schhnell zog sich das Feld auseinander. Für mich war wieder Platz 10 okay, so würde ich nicht überzocken. Zeitnah holte ich die weitere Läufer ein und schob mich auf den 5. Platz vor.

Die von einem Bekannten beschriebenen verwilderten Hausschweine bekam ich samt Frischlingen am Streckenrand zu sehen. Sie waren halb erschrocken aber friedlich. Anders hingegen war der Gemütszustand eines Ochsen an der Strecke. Gerade hatte ich den Belgier aufgelaufen u d den Italiener abgehängt, da stand dieses Rindvieh in der Kurve vor uns. Die Hinterläufe waren leicht gespreizt, der Kopf tief gesenkt und er fixierte uns mit einem unangenehmen Blick. Das aggressive schnauben eines so grossen Tieres ist schon eindrücklich u d drängte uns (etwas schneller rennend) an die andere Seite des Strasse. Doch es blieb dabei, er sah uns zum Glück nicht als Gegner und liess von uns ab, puh!

Kurz darauf kam die Verpflegungsstelle bei Kilometer 26 welche ich ausnahmsweise mal in Anspruch nahm. 2 Schluck Cola und weiter, aber das galt nicht für meinen Magen! Ich machte noch gute Miene zum Bösen Spiel aber es ging nicht lange, dann musste ich gehen und den Belgier ziehen lassen. SCHEISSE!

Es kam der Anstieg zum höchsten Gipfel auf Sardinien, dem. Mit 1860m. Für mich im Schneckentempo und der Magen wurde immer schlimmer. Ich merkte ich bin kurz davor mich zu übergeben und hoffte dass es passiert, aber leider musste ich mich bis auf den Gipfel quälen mit diesem Gefühl, einfach nur schrecklich, ich dachte ich müsse sterben.

Als mich auch noch zwei Mädels wandernd überholten waren sie zwar stolz, aber für mich machte es die Situation nur noch schwerer. Denn zuvor hatten mich schon der Italiener (4min Rückstand auf mich) undd er Luxemburger (12min Rückstand auf mich) überholt.

Oben auf dem Gipfel angekommen dauerte es nicht lange und der Magen erlöste mich von dem Gefühl. Dann ging die Verfolgungsjagd los, denn ich wollte versuchen den Abstand noch etwas zu reduzieren zu den beiden vor mir. Tolle Trails führten hinab Richtung Ziel und bald konnte ich der Ferne zumindest den Luxemburger erspähen. Als ich den Zielbogen sah und erkannte, dass auch der Italiener noch nicht im Ziel war nahm ich mir ein Herz und sprintete. Die Erklärung lag da drin, dass der Italiener etwas über 4 min Rückstand auf mich hatte und es noch ca. 1 Kilometer ins Ziel war. Wenn ich also nun Unter 4 min für den Kilometer brauche kann er mich im gesamt Klassement nicht überholen…

Schliesslich kam ich ausgepowert als 6. ins Ziel, aber hatte noch 12 Sekunden Vorsprung vor dem Italiener! Perfekt geregelt, jetzt musste ich nur noch am nächsten Tag in Ziel laufen und ich hätte zumindest den 5. Platz!

3. Etappe – Taktik & Genuss
Nach einer sehr schlechten Nacht war ich am Morgen noch recht gespannt was der Tag bringen würde, denn immerhin könnte ich es auf den 4. Platz im Gesamtergebnis schaffen, allerdings nur 12 Sekunden hatte ich Vorsprung zu dem Sardinier Francesco.

Nach dem Start setzte Francesco sofort eine Attack und nur der Holländer folgte ihm. Ich zögerte kurz, entschied dann jedoch nicht mit zu gehen, denn ich konnte nach den Magenproblemen nur verlieren wenn ich am  heutigen Tag überzocken würde. So lief ich mit der Gruppe und es passierte. Wo waren die Streckenmarkierungen?

Alle waren ratlos, die einen liefen weiter und drehten wieder um, dann liefen wir geschlossen doch weiter, aber nach einem Kilometer kam immer noch keine Markierung…Wir drehten um und mittlerweile war das komplette Starterfeld zusammen gekommen und beratschlagte wo es hingeht. Es wurde mit dem Organisator telefoniert und sich aufgeregt!

Nur das Spitzenduo Francesco und Guido waren richtig gelaufen und hatten unsere 15min Pause gnadenlos ausgenutzt. Also war für mich an diesem Tag der 4. Gesamtrang abgehakt. Aber es sollte noch ganz anders kommen…

Bald setzten sich die üblichen Verdächtigen an die Spitze und drücken ordentlich auf’s Gas. Ich jedoch hatte das erste mal Zeit um die Gegend zu geniessen, denn der Luxemburger hatte 8min Rückstand auf mich und hatte schon am Morgen versucht herauszufinden wie es mir geht und mir heuchlerisch vorgelogen er würde heute nur locker laufen. Da ich mittlerweile lange genug Wettkämpfe bestreite, habe ich schon all Varianten von Tiefstapeltei erlebt und ich könnte mich jedes mal wieder auf’s Neue aufregen. Aber ich liess mir nichts anmerken und war eher dankbar, dass er mich auf diese Art vorgewarnt hatte.

Bei Kilometer 8 kam schliesslich die Attacke von ihm und er meine ich solle mein Tempo laufen, das wäre besser. Ich dachte nur “…besser für dich, du Typ!”, aber es gibt ja auch Mittel jemanden dazu zu bring sich zu verausgaben, wenn man es richtig anstellt. Und ich liess ihn mal im glauben mich gleich abzuhängen wenn er nur noch einen Tick schneller läuft. Nach einigen schneller werdenden Kilometern hatte sich die Sache dann erledigt und ich konnt ihn mit zunehmendem Abstand hinter mir lassen.

Als ich jedoch schnelle Schritte hinter mir hörte, war ich verduzt. Erst recht als ich nacheinander die 3-köpfige Spitzengruppe an mir vorbei laufen sah. Sie hatten sich das zweite mal total verlaufen, weil die Strecke nun endlich auch richtige Trails bot. Dies genoss ich in vollen Zügen und konnte ohne Druck nach vorne, oder von hinten für mich laufen und die wunderschöne Landschaft geniessen.

Mein Tagesziel war nun heil durch zu kommen und den Körper etwas zu schonen, damit er nach diesen 3 strapaziösen Tagen auch weiterhin ohne Verletzungen undBeschwerden bleibt.

Kurz vor Schluss lief noch der sympathische Stefano auf mich auf, aber ich winkte ihn vorbei und meinte “Enjoy it!”, was er auch tat, denn er kam somit als 4. ins Ziel. Warum als 4.? Wer aufgepasst hat müsste kurz überschlagen: Richtigläufer 2 + Verfolgergruppe 3 =5, demnach müsste Stefano 6. sein, aber es lief anders und so  verliefen sich 2 der Spitzengruppe nochmals! Der Gesamtführende war mental so am Boden, dass er das Rennen aufgab, da sie nichtmehr wussten wo sie sind. Nach dem Abstieg kamen sie irgendwo wieder auf die Strecke und nur der gesamt 3. lief nach längeren Diskussionen mit den Streckenposten doch weiter.

Letztendlich kam auch ich so auf den 4. Gesamtrang und hatte mein absolutes Highlight für die Verkorkste Vorbereitung mit den vielen Pausen und Problemen. Ich bin froh, dass ich mich immer wieder motivieren konnte nicht aufzugeben und das alles auf eigene Faust durchgezogen habe, aber es waren verdammt harte Stunden und Tage dabei.

Leave a Reply